Norbert Bolz beschreibt die heutige Produktion als eine Bedürfnisproduktion. Der Markt funktioniert demnach nicht mehr nach dem Prinzip „Angebot und Nachfrage“. Es gibt keine Nachfrage mehr, die sich auf wirkliche Bedürfnisse stützt. In Zeiten der Wohlstandsgesellschaft müssen Bedürfnisse erst generiert werden. Bolz veranschaulicht das an seinem Dreistufenmodell des Konsums. Demnach war der Kunde der Vergangenheit in der Lage, seine Bedürfnisse klar zu formulieren (System der Bedürfnisse). Nachdem diese Bedürfnisse auf Dauer gestillt wurden, forderte der Kunde verführt zu werden. Bolz nennt das „die Welt der Wunschökonomie“. Heute will der Kunde nicht nur verführt werden, sondern verändert werden. Der Markt wird somit zum Medium der Transformation.
Konformismus des Andersseins. Bin ich selbst ohne Gegenstände? Kann ich ohne Gegenstände eine Identität haben?
Literatur:
Bolz, N.: Der Konsum. In: Das konsumistische Manifest. München 2002, S. 98-99.
Donnerstag, 19. Juli 2007
Der Wohlstand und das Fleisch
Wohlstandsgesellschaft: Fleisch galt in der Nachkriegszeit als Zeichen von Wohlstand. Fleisch ist in der Produktion sehr teuer. Fleisch war ursprünglich ein Luxusgut. Heute, in Zeiten der Massen- und Überproduktion, ist Fleisch eine Selbstverständlichkeit. Fleisch wird importiert, exportiert und im eigenen Land produziert. Es gibt heute zuviel Fleisch. Die Fleischproduktion muss in Deutschland subventioniert werden. Fleisch ist ein Gegenstand/Produkt, das in die Kategorie Grundbedürfnisse fällt. Lebensmittel dienen mittlerweile nicht mehr nur der Lebenserhaltung des Menschen, oder der Stillung des Grundbedürfnisses „Essen“. Im 21. Jahrhundert wird Essen als ein Erlebnis gefeiert, ebenso das Einkaufen. Ein Supermarkt gleicht einem Erlebnispark der farbenprächtigen Produktpaletten.
Verfertigung von Gedanken über Gegenstände
Die meisten Gegenstände werden produziert, weil sie einen Nutzen haben. Gegenstände werden in irgendeiner Form gebraucht. Es gibt jedoch Gebrauchsgegenstände und Wertgegenstände. Ein Gebrauchsgegenstand definiert seinen Wert über den Gebrauch. Eine Klobürste hat beispielsweise in erster Linie die Funktion, die Toilettenschüssel zu reinigen. Damit erhält sie einen Gebrauchswert. Ein Wertgegenstand definiert seinen Wert über sich selbst.
Ein Bild hat in erster Linie keinen Gebrauchswert. Es kann einen ästhetischen Wert haben oder mir einfach gefallen, deswegen hänge ich es beispielsweise auf. Die Unterscheidung von Gebrauchs- und Wertgegenständen lässt sich jedoch nicht so einfach treffen. Letztendlich hat der vermeintliche Wertgegenstand „Bild“ nämlich auch eine Gebrauchsdimension und ein Gebrauchsgegenstand kann ebenso auch ein Wertgegenstand sein, indem er einen ästhetischen Wert hat, der über den Gebrauch hinausgeht, oder aus unnötig wertvollen Materialien gefertigt wurde. Nichts desto trotz hat jeder Gegenstand wenigstens eine sich abzeichnende Tendenz. Entweder dient er mehr dem Gebrauch, oder dem Wert, dem er aus sich selbst schöpft.
Ein Bild hat in erster Linie keinen Gebrauchswert. Es kann einen ästhetischen Wert haben oder mir einfach gefallen, deswegen hänge ich es beispielsweise auf. Die Unterscheidung von Gebrauchs- und Wertgegenständen lässt sich jedoch nicht so einfach treffen. Letztendlich hat der vermeintliche Wertgegenstand „Bild“ nämlich auch eine Gebrauchsdimension und ein Gebrauchsgegenstand kann ebenso auch ein Wertgegenstand sein, indem er einen ästhetischen Wert hat, der über den Gebrauch hinausgeht, oder aus unnötig wertvollen Materialien gefertigt wurde. Nichts desto trotz hat jeder Gegenstand wenigstens eine sich abzeichnende Tendenz. Entweder dient er mehr dem Gebrauch, oder dem Wert, dem er aus sich selbst schöpft.
Der Wert eines jeden Gegenstandes wird von einem, oder mehreren Menschen, oder einer Gesellschaft definiert. Der Gebrauchswert kann sich einem einzelnen Menschen selbst offenbaren. Er scheint dem Gegenstand meist schon inne zu wohnen. Der Gebrauchswert spiegelt sich zum einen in der Materialität wider. Ein Flaschenöffner muss beispielsweise aus hartem Material wie Stahl sein. Zum anderen verweist die Form eines Gegenstandes auf seinen Anwendungsbereich. Mit einer Säge würde man sich nicht die Haare kämmen. Materialität und Form konstituieren demnach einen Gebrauchswert, der kulturell unabhängig decodierbar ist. Um den Gebrauchswert eines Messers zu erkennen, bedarf es kein kulturelles Vorwissen.
Anders verhält es sich bei so genannten Wertgegenständen. Ihr Wert definiert sich nicht allein über den Gebrauch, sondern vielmehr über einen gesellschaftlich, kulturell vereinbarten Status-Wert. Sicherlich lässt sich ein solcher Wert auch in Materialität und Form ablesen, doch diese Informationen reichen allein nicht aus. Eine Malerei besitzt in ihrer Materialität keinen großen Wert. Auch ihre Form in Bezug auf den Gebrauchswert, ein viereckiges, gerahmtes Bild, verweist höchstens auf den Verwendungszweck, es an die Wand hängen zu können. Der Wert einer Malerei konstituiert sich über seinen ästhetischen Gehalt und kulturelle Bedeutung. Beide sind Phänomene kultureller Diskurse und tätigen Aussagen über den Status-Wert dieses Gegenstandes. Dieser Status-Wert wird daher vereinbart. Zudem hat er eine zeitliche Dimension. Jeder Status-Wert ist immer auch an eine Zeit gebunden. Konkrete Malerei hätte zu einer Zeit, in der sich Malerei als Kunsthandwerk der Mimesis definierte, für die Gesellschaft keinen Wert gehabt, da es bei ihr gerade nicht um das abbilden einer vorhandenen Wirklichkeit geht.
Anders verhält es sich bei so genannten Wertgegenständen. Ihr Wert definiert sich nicht allein über den Gebrauch, sondern vielmehr über einen gesellschaftlich, kulturell vereinbarten Status-Wert. Sicherlich lässt sich ein solcher Wert auch in Materialität und Form ablesen, doch diese Informationen reichen allein nicht aus. Eine Malerei besitzt in ihrer Materialität keinen großen Wert. Auch ihre Form in Bezug auf den Gebrauchswert, ein viereckiges, gerahmtes Bild, verweist höchstens auf den Verwendungszweck, es an die Wand hängen zu können. Der Wert einer Malerei konstituiert sich über seinen ästhetischen Gehalt und kulturelle Bedeutung. Beide sind Phänomene kultureller Diskurse und tätigen Aussagen über den Status-Wert dieses Gegenstandes. Dieser Status-Wert wird daher vereinbart. Zudem hat er eine zeitliche Dimension. Jeder Status-Wert ist immer auch an eine Zeit gebunden. Konkrete Malerei hätte zu einer Zeit, in der sich Malerei als Kunsthandwerk der Mimesis definierte, für die Gesellschaft keinen Wert gehabt, da es bei ihr gerade nicht um das abbilden einer vorhandenen Wirklichkeit geht.
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