Für Paolo Bianchi ist Müll der Schatten der Kunst. Müllkunst ist für ihn ein Begriff des Paradoxen. Das Material dieser Kunst ist Abfall. Abfall gilt als wertlos, verbraucht oder gar schmutzig. Konträr dazu erhebt sich eben dieses Material zum Nährboden künstlerischen Schaffens. Aus Wertlosem wird Wertvolles; aus Verbrauchtem wird Brauchbares. Der von der Gesellschaft ausgeklammerte Müll verwandelt sich zu Müllkunst, die in Museen bestaunt werden kann und worüber in Feuilletons der intellektuellen Kunstszene geschrieben wird. Diese Ambivalenz des Topos Müllkunst scheint gerade der Motor jener Trash-Artisten zu sein. Bianchi beschreibt es als energetische Substanz im Abfall. Müllkunst entziehe sich einer Ästhetik des Vollendeten und Makellosen und befinde sich im Raum des Schattens. Der Schatten dient ihm als Metapher des Dazwischens. Schatten machen Licht erst sichtbar. Sie geben ihm Kontur. Der Schatten ist die Leerstelle des Lichts. Eine Leerstelle definiert das Abwesende. Abwesenheit bedingt immer auch Anwesenheit. In dieser wechselseitigen Beziehung generiert sich Identität. Die Ränder des Schattens sind Orte des Dazwischens. Eben in diesem Grenzbereich befindet sich für Bianchi die Müllkunst. Müll ist ein Phänomen des Abwesenden. Wir trennen den Müll von unseren Lebensräumen. Der Müll entweicht ins Unsichtbare, in die Mülldeponien abseits unserer Städte und Dörfer. Selbst der Haushaltsmüll wird in Schränken, Tüten oder vor der Haustüre deponiert. Müll wird als eklig, schmutzig und störend empfunden. Deshalb wollen wir ihn nicht sehen und nicht mit ihm in Berührung kommen. Der Müll befindet sich also treffend im Reich des Schattens. Müllkunst verfinge sich laut Bianchi im Materialreichtum der Kunst, verweigere sich als Medium der Mitteilung und reklamiere für sich den Willen zum Ausdruck. Der Müll spreche als Schatten der Kunst: anarchistisch, erotisch, obsessiv, zweckfrei und absichtslos. Die Vorraussetzung solcher Kunst ist eine Gesellschaft, deren Eifer immer mehr produzieren zu müssen, um immer mehr konsumieren zu können, letztlich alles Produzierte wieder entwertet.
Müllkunst könnte als intellektuelles Recycling beschrieben werden. Dieses Recycling lässt sich wie folgt skizzieren. Der vermeintliche Abfall wird zuerst vom Künstler „gefunden“. Der gefundene Gegenstand ist nun schon nicht mehr Abfall, da er seinem Kontext entrissen wurde. Der vorher noch wertlose Gegenstand erhält eine neue Wertigkeit, denn er ist Grundlage künstlerischer Produktion. Zuletzt wird der Gegenstand durch den Prozess des kreativen Schöpfens rekontextualisiert. Der Abfall ist schließlich ganzes oder Teil eines Kunstproduktes. Recycling ist ein Prozess des Verwandelns und methodisches Programm der Müllkunst.

URS LÜTHI, Trash & Roses (aus der Serie: Art is the better Life), 2002. Courtesy Galerie Blancpain-Stepczynski, Genf
Quelle:http://www.artcontent.de/kunstforum/00_inhalte/bd/168/168000.asp (1.10.07)
Müllkunst könnte als intellektuelles Recycling beschrieben werden. Dieses Recycling lässt sich wie folgt skizzieren. Der vermeintliche Abfall wird zuerst vom Künstler „gefunden“. Der gefundene Gegenstand ist nun schon nicht mehr Abfall, da er seinem Kontext entrissen wurde. Der vorher noch wertlose Gegenstand erhält eine neue Wertigkeit, denn er ist Grundlage künstlerischer Produktion. Zuletzt wird der Gegenstand durch den Prozess des kreativen Schöpfens rekontextualisiert. Der Abfall ist schließlich ganzes oder Teil eines Kunstproduktes. Recycling ist ein Prozess des Verwandelns und methodisches Programm der Müllkunst.

URS LÜTHI, Trash & Roses (aus der Serie: Art is the better Life), 2002. Courtesy Galerie Blancpain-Stepczynski, Genf
Quelle:http://www.artcontent.de/kunstforum/00_inhalte/bd/168/168000.asp (1.10.07)

Dieter Roth: Wurzelbehandlung / Root treatment, Dobke 163
Siebdruck auf Blech / Screenprint on sheet metal, 63 x 91 cm
Quelle: http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.artfacts.net/artworkpics/3284b.jpg&imgrefurl=http://www.artfacts.net/index.php/pageType/artworkInfo/artworkID/3284&h=351&w=500&sz=49&hl=de&start=11&um=1&tbnid=OabDBK7tFxBAXM:&tbnh=91&tbnw=130&prev=/images%3Fq%3Ddieter%2BRoth%26svnum%3D10%26um%3D1%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26sa%3DN (1.10.07)

DIETER ROTH
Käse Multiple, 1970(Detail)
Courtesy of Dieter Roth Foundation, Hamburg, und Dieter Roth Estate
Quelle:http://images.google.de/imgres?imgurl=http://www.artnet.de/Images/magazine/reviews/freybourg/freybourg05-14-07-1.jpg&imgrefurl=http://www.artnet.de/magazine/reviews/freybourg/freybourg05-14-07_detail.asp%3Fpicnum%3D1&h=428&w=560&sz=40&hl=de&start=24&um=1&tbnid=SO_Ln8DeZWglxM:&tbnh=102&tbnw=133&prev=/images%3Fq%3Ddieter%2BRoth%26start%3D20%26ndsp%3D20%26svnum%3D10%26um%3D1%26hl%3Dde%26client%3Dfirefox-a%26rls%3Dorg.mozilla:de:official%26sa%3DN (1.10.07)
Literatur:
Bianchi, P.: Müll-Der Schatten der Kunst. Kunstforum: Müllkunst-Zeitgenössische japanische Fotografie. Band 167, S. 35.
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